Hoffnung über den Augenblick hinaus

Entmutigung, Depression © Halfpoint Images/Moment via Getty
Die Hoffnung auf Gott ist ein geistlicher Halt, der über den gegenwärtigen Augenblick hinausreicht. Sie gründet im Vertrauen, dass Gottes Verheißungen sich erfüllen.

Im Lärm der Umstände und Ängste des Lebens: Wo finden wir bleibende Hoffnung? Die Heilige Schrift zeigt, dass Hoffnung stark wird, wenn Glaube und Liebe in unserem Herzen Wurzeln schlagen.

Von Robin Webber

Erlauben Sie mir eine Geschichte zu erzählen, wie sie uns als Jünger Jesu Christi auch im 21. Jahrhundert auf unserem persönlichen Weg begegnen kann. Vor vielen Jahren erhielt ein kleiner Junge ein wertvolles Erbstück: die goldene Taschenuhr seines verstorbenen Großvaters. Er hütete sie mit großer Liebe.

Doch eines Tages, als er in der Fabrik seines Großvaters spielte, verlor er das bis jetzt so gut gehütete Andenken. Verzweifelt und immer hektischer suchte er danach – doch die Uhr blieb verschwunden. Da wollte er die Hoffnung schon aufgeben. Auf ein Mal begriff er, was zu tun war. Er hörte auf, wild zu suchen, und blieb regungslos stehen. Sein laut pochendes Herz beruhigte sich und er konnte in der Stille das Ticken der Uhr hören: Er hatte sie gefunden.

Was können wir daraus lernen? Unser himmlischer Vater hat jedem von uns ein sehr wertvolles Geschenk gegeben und es in unsere Herzen gelegt. Doch wie leicht verlieren wir dieses Geschenk im Trubel des Alltags! Wir senden Signale aus, dass alles verloren ist.

Doch dieses Geschenk von oben ist immer da – wenn wir nur innehalten und nicht allein auf die Uhr, sondern auf die Stimme Gottes in unserem Geist achten. Worte, die in unseren Herzen widerhallen und über das Getöse unserer menschlichen Natur hinausklingen sollen. Einfache, doch tiefgründige Worte wie: „Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!“ (Psalm 46,11; alle Hervorhebungen durch uns).

Genau das tat der kleine Junge: Er wurde still – und handelte. Solche Worte schenken uns Hoffnung über den Augenblick hinaus, wenn wir auf die Stimme Christi antworten, die uns über den Lärm des Egos hinweg ruft: „Folgt mir nach!“ (Matthäus 4,19).

Wie sieht Hoffnung aus?

Lasst uns damit beginnen, eine tragfähige Definition von Hoffnung zu gewinnen, indem wir Gottes Wort nicht nur lesen, sondern mit dem Herzen hören. Ein Hinweis vorab: Das wird Geduld erfordern! Denn der Psalmist sagt: „Ich harre des Herrn, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort“ (Psalm 130,5). Mit diesem Gedanken im Herzen betrachten wir die Worte des Apostels Paulus in 1. Korinther 13, Vers 13: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Paulus nennt hier drei Schlüsselelemente der Charakterentwicklung eines Christen – die „großen Drei“, wie wir sie nennen könnten. Sie machen den Unterschied zwischen menschlicher Verzweiflung und einem von Gott gewollten Leben aus. Letztlich sind sie alle miteinander verbunden. Glaube und Liebe sind direkte Früchte des heiligen Geistes (Galater 5,22), die ihren Ursprung in unseren Herzen haben und gemeinsam die Hoffnung hervorbringen. Hoffnung ist ein wesentlicher Nährboden für Wachstum in Gnade und Erkenntnis.

Der Zusammenhang zwischen Glauben und Hoffnung wird in Hebräer 11, Vers 1 deutlich: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Paulus führt diesen Gedanken in Römer 8, Verse 24-25 weiter aus: „Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.“

Die geistliche Umarmung der Hoffnung

Die Hoffnung auf Gott ist ein geistlicher Halt, der über den gegenwärtigen Augenblick hinausreicht. Sie gründet im Vertrauen, dass Gottes Verheißungen sich erfüllen – um seiner Liebe willen. Diese Liebe wird in 1. Johannes 4, Verse 9-10 beschrieben und sichtbar:

„Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.“

Wer Gottes eigene Liebestat erkennt und darauf antwortet, dem gilt das Wort aus Matthäus 13, Vers 16: „Aber selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören.“

Als ich Ihnen das erzählte, erinnerte ich mich an die Geschichte um den Bau vom Themenpark-Komplex Disney World in Florida. Walt Disney hatte in den 1950er-Jahren zuerst Disneyland in Südkalifornien errichtet. Der begrenzte Platz ließ ihm dort jedoch wenig Raum zur Entfaltung – und so träumte er von einem größeren Park in Florida.

Er starb jedoch, bevor dieser Traum Wirklichkeit wurde. Man erzählt, dass gegen Ende der Bauarbeiten in Florida ein Manager zu einem Kollegen gesagt habe: „Schade, dass Walt das nicht mehr erleben darf.“ Darauf antwortete der andere: „Das stimmt nicht. Den Themenpark gibt es, weil er ihn als Vision erlebt hat.“

Diese kleine Geschichte eines Mannes mit großer Vision klingt nach in unserem geistlichen Weg der Hoffnung, wie ihn Hebräer 11, Verse 8-13 in Bezug auf Abraham und seine Familie beschreibt:

„Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen in dem verheißenen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung . . .

Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters; denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte . . . Diese alle sind gestorben im Glauben und haben das Verheißene nicht erlangt, sondern es nur von ferne gesehen und gegrüßt und haben bekannt, dass sie Gäste und Fremdlinge auf Erden sind.“

Hoffnung ist Glaube in Bewegung!

Doch sollten wir uns bewusst sein: Hoffnung in schweren Zeiten wohnt nicht nur in unseren Gedanken. Verzweiflung lauert in der menschlichen Seele oft nur einen Steinwurf entfernt. Sie nährt sich an denselben Nöten und Panikmomenten – und führt zu einem ganz anderen Ende als die Hoffnung, die Zweifel und Angst bekämpft, überwindet und ablöst.

Hoffnung ist kein stiller Teich, sondern ein Strom, getragen von Glauben und Liebe. Sie entsteht nicht auf einen Schlag. Sie ist ein lebendiger, wachsender Glaube, der gelebt werden muss, damit er zunehmen und die Angst verdrängen kann. Das geschieht, wenn wir die geistliche Wirklichkeit annehmen: Gott ist der Töpfer, wir sind der Ton. „Aber nun, Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk“ (Jesaja 64,7).

Das heißt, er wirkt in uns: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“ (Epheser 2,10). Und: „Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen“ (Philipper 2,13).

Vergessen wir auch nicht die Ermahnung dessen, der uns zur Nachfolge aufruft: „Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein . . . So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14,27. 33). Unser Kreuz kommt also vor unserer Krone.

Beachten Sie, wie der Apostel Paulus in Römer 5, Verse 1-5 die drei großen Gaben zusammenführt – und wie sie zu jener Hoffnung heranreifen, die schließlich aufblüht, freilich nicht ohne prüfende Übungen des Herzens.

„Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.

Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.“

„So sei still, mein Herz“

Damit kehre ich zu dem Punkt zurück, an dem ich mit dem pochenden Herzen des kleinen Jungen in der Eingangsgeschichte begonnen habe. Wissen Sie was? Mein Herz pocht manchmal auch – genau wie Ihres, da bin ich mir sicher!

Ich möchte einen Text mit Ihnen teilen, den ich unter der Glasplatte meines Schreibtisches aufbewahre. So liegt er immer griffbereit, wenn ich ihn wieder brauche.

Die Worte stammen aus einem Gedicht von Minnie Louise Haskins aus dem Jahr 1908. Es trägt den Titel „God Knows“ [„Gott weiß“] und wird oft auch „The Gate of the Year“ [„Das Tor zum Jahr“] genannt. König Georg VI. von Großbritannien las es 1939, als sich die Dunkelheit des Zweiten Weltkriegs ausbreitete:

„Und ich sprach zu dem Mann, der am Tor zum Jahr stand: ‚Gib mir ein Licht, dass ich sicher ins Unbekannte schreiten kann.‘

Und er antwortete: ‚Geh hinaus in die Finsternis und lege deine Hand in die Hand Gottes. Das wird dir besser sein als Licht und sicherer als ein bekannter Weg.‘

So ging ich hinaus, fand die Hand Gottes und schritt freudig in die Nacht. Und er führte mich zu den Bergen und zum Anbruch des Tages im einsamen Osten. Darum sei still, mein Herz.

Gott weiß es. Sein Wille ist der beste. Die Jahre, die vor uns liegen und unserm unvollkommenen Auge so verschwommen scheinen, sind Gott klar. Unsere Ängste kommen zu früh; in ihm ist für alle Zeit reichlich gesorgt.“

Es ist Zeit, still zu werden und die Hand Gottes zu ergreifen, die auf uns wartet und sich zur Hoffnung öffnet. Dann wird aus dem pochenden Herzen ein hörendes Herz – und wir finden wieder, was im Lärm des Alltags verloren ging: die Gewissheit, dass Gott uns hält. Denn Hoffnung braucht Geduld, nicht die Geduld des bloßen Abwartens, sondern die Geduld des Glaubens: ein standhaftes Bleiben bei Gott, während das Auge das Verheißene noch nicht sieht.

Hoffnung ist dann kein bloßer Wunsch mehr, sondern ein Weg, den wir Schritt um Schritt geduldig gehen, wenn wir Jesu Aufforderung „Folgt mir nach!“ befolgen.

– Gute Nachrichten November-Dezember 2026 PDF-Datei dieser Ausgabe

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